Aktuell
Home / Reptilien / Zauneidechse – ist Symbol gegen Zerschneidung von Lebensräumen
Zauneidechse 660x330 - Zauneidechse – ist Symbol gegen Zerschneidung von Lebensräumen

Zauneidechse – ist Symbol gegen Zerschneidung von Lebensräumen

Nach dem Bergmolch 2019 rücken die Österreichische und die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie 2020 wieder ein bedrohtes Reptil in den Fokus: die Zauneidechse. „Lacerta agilis, die,flinke Eidechse‘, ist vor allem im Flach- und Hügelland anzutreffen, wo sich auch Menschen bevorzugt niederlassen“, sagt Andreas Maletzky, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH). „Früher besiedelte die Zauneidechse natürliche Grenzhabitate mit schütter bewachsenen offenen und strukturreichen Bodenstellen. Dies waren etwa dynamische Flussauen mit zahllosen Schotter- und Sandbänken – Lebensräume, die aufgrund von Gewässerregulierung und Kraftwerksbauten heute weitgehend verschwunden sind. Dank ihrer Anpassungsfähigkeit ist die Zauneidechse jedoch häufig noch an Bahndämmen, in Steinbrüchen, Weinbergen oder Gärten, Friedhöfen, Industriestandorten sowie Trocken- und Magerrasen zu finden. In solchen Lebensräumen findet die Zauneidechse genügend Nahrung in Form von Insekten und Spinnen. Die Männchen sind zur Paarungszeit an den Körperflanken prächtig grün gefärbt, der Rest des Körpers ist – wie auch die Weibchen – in Brauntönen gehalten“, so Maletzky.

Drohende Gefährdung – Naturschutz muss auf breiter Ebene getragen werden

Aktuell wird Lacerta agilis auf der Roten Liste in Österreich unter „Gefährdung droht“ geführt, in den meisten Bundesländern gilt sie sogar als gefährdet bzw. stark gefährdet. Die einst verbreitete Art ist nämlich in stetem Rückgang begriffen. „Der Verlust von Kleinstrukturen wie Trockensteinmauern, Rainen & Böschungen und die zunehmende Bodenversiegelung sind die vorrangigsten Treiber des Rückgangs. Wollen wir unsere Naturschätze erhalten, müssen wir alle zusammenarbeiten. Der dringend notwendige Schutz der Biodiversität gelingt nur, wenn er von allen Sektoren – wie Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus und insbesondere Infrastruktur – mitgetragen wird. Wirklich in der Hand haben wir es nur gemeinsam!“, sagt Judith Drapela-Dhiflaoui, Biodiversitätsexpertin des Umweltdachverbandes.

Ortstreue Schlafmützen

Ab Mitte März sind sie auf leicht aufwärmbaren Substraten wie Holz oder trockenem Gras zu finden. Nach der Paarungszeit im April/Mai legen sie Eier in leicht grabbares Substrat, danach wird das Gelege sich selbst überlassen. „Die ersten Schlüpflinge sind ab Mitte Juli zu entdecken. Man geht davon aus, dass die Tiere sich nicht weiter als 30 Meter vom Schlupfort entfernen, wodurch neu entstandene isolierte Habitate oft lange zauneidechsenfrei bleiben. Ab Mitte August begeben sich die ersten Männchen schon in Winterruhe, danach folgen die Weibchen und die Jungen. Ausschlaggebend für den Zeitpunkt der Winterruhe ist der Aufbau ausreichender Fettvorräte, das ist verständlicherweise bei den Männchen früher der Fall als bei den Weibchen, die durch die Eiablage höhere Energievorräte benötigen. Die Jungen brauchen dafür am längsten. Die Zauneidechse hält damit über ein halbes Jahr Winterruhe und darf durchaus als ,Schlafmütze‘ bezeichnet werden“, so Drapela-Dhiflaoui.

Schutzmaßnahmen: strukturelle Vielfalt gefragt

Geeignete Schutzmaßnahmen, um das Überleben der Zauneidechse langfristig zu sichern, sind etwa die Erhaltung sonniger Waldränder und Wegraine, die Vernetzung und Offenhaltung trockenwarmer Lebensräume wie Steinbrüche, Sandgruben oder Trockenmauern. Auch Querungshilfen wie Grünbrücken über Autobahnen bzw. Untertunnelungen oder eidechsengerechte Gestaltungen von Straßenböschungen können den Zauneidechsen helfen. Und was kann jede/r selbst tun? „Neben schonendem Umgang mit unserer Umwelt helfen wir dem Reptil des Jahres 2020 besonders mit einem naturnahen Garten. Bunte Wiesen und der Verzicht auf Pestizideinsatz fördern die Insektenvielfalt und beleben damit auch den Speisezettel der Zauneidechse. Lichte Stein- und Holzhaufen sowie Sandplätze für die Eiablage in einem wilden Garteneck locken die Sonnenfreundin an und helfen ihr beim Überleben. Um die Zauneidechse dauerhaft im Garten halten zu können müssen die entsprechenden Habitate jedenfalls katzenfrei gehalten werden“, so Maletzky abschließend.

Foto: © DGHT/Meyer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.